07.07.2017 von LBG

Lungenhochdruck ist eine gefährliche und oft unentdeckte Begleiterscheinung von vielen Lungenerkrankungen

v.l.n.r.: Wolfgang Neubauer (Leiter LBI ArchPro), Andrea Olschewski (Leiterin LBI Lungengefäßforschung), Claudia Lingner (Geschäftsführerin LBG)

Das Ludwig Boltzmann Institut für Lungengefäßforschung forscht erfolgreich und international sichtbar an der Diagnose und Therapie von Lungenhochdruck. Der Beginn der zweiten Förderperiode war der Anlass für eine Festveranstaltung und ein internationales Symposium am 29. und 30. Juni in Graz.

Weltweit leiden Millionen Menschen an chronischen Lungenerkrankungen wie COPD oder Lungenfibrose. Viele davon haben – oft ohne es zu wissen – auch Lungenhochdruck. Pulmonale Hypertonie ist eine schwer diagnostizierbare Komplikation bei chronischen Lungenerkrankungen und ist fatal, denn wie große Studien zeigen, sterben Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen früher, wenn sie zusätzlich Lungenhochdruck haben.

„Die Forschung konzentrierte sich bisher auf Erkrankungen des Lungengewebes wie  COPD  oder Lungenfibrose und vergaß auf die Lungengefäße“, sagt Andrea Olschewski anlässlich des internationalen Symposiums zum Thema Lungengefäßforschung am 30. Juni in Graz. Sie leitet das 2010 gegründete Ludwig Boltzmann Institut für Lungengefäßforschung in Graz, das sich mit der Prävention, der maßgeschneiderten Diagnose und der Therapie speziell von Lungenhochdruck befasst.

Olschewski weiter: „Die Lungengefäße sind deshalb so wichtig, weil sie den ganzen Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Bei Lungenhochdruck verdicken sich die Lungengefäße, die eigentlich dünn und dehnbar sein sollen, extrem und setzen dem Blutfluss in der Lunge einen Widerstand entgegen. Patientinnen und Patienten mit Lungenhochdruck bekommen nicht genug Luft und ihre körperliche Belastbarkeit nimmt merklich ab. Wenn der Druck in den Lungengefäßen weiter steigt, entwickelt sich dazu eine chronische Herzbelastung.“

Lungenhochdruck: Diagnose schwierig, Therapie bis dato wenig aussichtsreich

Festzustellen, ob die Lungengefäße erkrankt sind, ist schwierig. „Wenn jemand Bluthochdruck hat, ist das leicht diagnostizierbar. Beim Lungenhochdruck ist das nicht so, denn wir können nicht einfach eine Blutdruckmanschette um die Lunge legen“, erklärt Olschewski. „Der Druck in den Lungengefäßen kann bis dato nur mit einem Rechtsherzkatheter gemessen werden. Das ist ein eigentlich einfacher Eingriff, der aber eine große Expertise voraussetzt und daher unbedingt in erfahrenen Zentren durchgeführt werden soll. Lungenhochdruck wird oft erst spät erkannt, weil die Beschwerden nicht eindeutig sind. Dieser Umstand verschlechtert die Prognose erheblich. Daher ist es besonders wichtig, neue Methoden zur Diagnose zu finden“, so Olschewski.

Das Ludwig Boltzmann Institut für Lungengefäßforschung hat in den letzten Jahren erfolgreich zwei neue nicht-invasive Methoden zur Diagnose von Lungenhochdruck patentiert, deren Erprobung gerade in klinischen Studien läuft. Eine dritte Methode wurde vor kurzem beim Europäischen Patentamt eingereicht.

Hat man einmal festgestellt, dass eine Patientin oder ein Patient an Lungenhochdruck leidet, der in Folge einer chronischen Lungenerkrankung auftritt, gibt es bis dato kaum Chancen auf eine erfolgreiche Therapie. Es werden nur in Einzelfällen gute Ergebnisse erzielt. Für eine seltene Form des Lungenhochdrucks, der pulmonal arteriellen Hypertonie, gibt es zwar gut wirksame aber sehr teure Therapien.

„Auch bei der Therapie besteht dringender Forschungsbedarf“, so Olschewski. „Wir arbeiten gerade mit unserem Industriepartner Bayer AG an einer neuen Methode für die gezielte Behandlung dieser Patientinnen und Patienten.“

Ludwig Boltzmann Institut für Lungengefäßforschung wird weiter an Lungenhochdruck forschen

Das Ludwig Boltzmann Institut für Lungengefäßforschung wurde 2010 von der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, der Medizinischen Universität Graz und der Bayer AG für eine erste Laufzeit von sieben Jahren gegründet und ist inzwischen eines der weltweit führenden Kompetenzzentren für Lungenhochdruck.

Nachdem eine internationale Evaluierungskommission zum Ergebnis kam, dass das LBI Lungengefäßforschung in den ersten sieben Jahren beeindruckende Erfolge erzielt hat, und die Fortsetzung der Arbeit empfahl, wird das Institut jetzt für eine zweite Periode von voraussichtlich sieben Jahren forschen.

Am LBI Lungengefäßforschung sind drei Forschungsgruppen eingerichtet, die an molekularen Signalwegen und Biomarkern des Gefäßumbaus in der Lunge, an nicht-invasiven diagnostischen Methoden für Früherkennung und Frühtherapie der Erkrankung und am besseren Verständnis des klinischen Krankheitsverlaufs  forschen. Insgesamt arbeiten 30 WissenschaftlerInnen aus zwölf verschiedenen Ländern am Institut, die SpezialistInnen für molekulare und zelluläre Grundlagen, Krankheitsmodelle, klinische Wissenschaft und professionelle Versorgung von PatientInnen sind. Die GruppenleiterInnen Grazyna Kwapiszewska, Leigh Marsh, Gabor Kovacs, Horst Olschewski und Andrea Olschewski sind in internationalen Gremien und Editorial Boards von Fachjournalen tätig.

Die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung kommen direkt bei den PatientInnen an. „Wir haben schon hunderte Patientinnen und Patienten mit nicht-invasiven Methoden diagnostiziert“, sagt Olschewski.

http://lvr.lbg.ac.at