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02.09.2021 von Ludwig Boltzmann

Konzeptioneller Rahmen für Open Innovation in Science

Wie soll wissenschaftliche Forschung im 21. Jahrhundert praktiziert und das so gewonnene Wissen geteilt werden? Diese Frage beschäftigt Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit seit einigen Jahren. Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft fördert seit 2014 die Implementierung von Open Innovation in Science (OIS) in ihren Instituten und seit 2017 aktiv die Erforschung von OIS-Grundlagen. Am LBG OIS Center wurde dazu nun ein theoretisch fundiertes Rahmenwerk für die konzeptionelle Einordnung von OIS-Praktiken und relevanten Einflussfaktoren erarbeitet.

In der 2020 publizierten Studie „The Open Innovation in Science research field: A collaborative conceptualisation approach“ integrierten 47 WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen Disziplinen Erkenntnisse aus den Bereichen Open Science und Open Innovation in ein einheitliches Rahmenwerk für die Verortung von OIS. Das OIS-Konzept diente dabei als Grundlage für die Analyse der Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Auswirkungen von offenen und kollaborativen Praktiken entlang des gesamten wissenschaftlichen Forschungsprozesses. OIS definieren die StudienautorInnen als Prozess, der zielgerichtet Wissensflüsse in die Forschung hinein und aus der Forschung heraus sowie inter- und transdisziplinäre Kollaborationen ermöglicht und umsetzt. Ganz wichtig dabei ist, dass die Öffnung des Forschungsprozesses keinem Selbstzweck dient. Vielmehr ermöglicht die Anwendung von OIS unter Berücksichtigung bestimmter Bedingungen und in Abstimmung auf die jeweilige wissenschaftliche Herausforderung Vorteile für die Wissenschaft und die Gesellschaft. Inwieweit diese Vorteile entstehen, ist allerdings von verschiedenen Faktoren abhängig. Dazu zählen sowohl individuelle Einstellungen und Fähigkeiten der ForscherInnen als auch institutionelle Rahmenbedingungen wie vorhandene Informationsinfrastrukturen oder die Gestaltung von Anreizsystemen.

Wie kam es zu dem kollaborativen Schreibexperiment? „Unser Artikel zu OIS ist selbst in einem OIS-Prozess entstanden. Wir haben während der ersten OIS Research Conference 2019 gemeinsam in einem offenen Prozess die Basis für unseren Artikel entwickelt und darauf aufbauend weiterführende Analysen sowie den eigentlichen Schreibprozess in einer Online-Kollaboration umgesetzt“, beschreibt Koordinatorin und Co-Autorin Susanne Beck die Vorgehensweise. 47 WissenschaftlerInnen aus Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften aus 37 Institutionen und 13 Ländern haben damit eine Grundlage für eine disziplinenübergreifende Diskussion über Offenheit und Kollaboration in der Wissenschaft initiiert. „Wir hoffen, dadurch sowohl weiterführende Forschungsarbeiten zu OIS anzuregen als auch ForscherInnen unterschiedlichster Disziplinen eine Orientierungshilfe für ihre OIS-Aktivitäten zu bieten“, so die Key-Researcherin am OIS Center weiter.

Denn die Forschung zu Open Innovation in Science hat erst begonnen. Der konzeptionelle Rahmen bietet eine Grundlage für zukünftige Forschung. Weiterführende empirische Forschungsarbeiten zu Einflussfaktoren, Rahmenbedingungen und Auswirkungen von OIS sind in Arbeit. „Wir wollen die Potenziale und Grenzen von OIS besser verstehen, um so eine nachhaltige Verankerung im wissenschaftlichen Kontext zu ermöglichen“, so Beck.

Zur Webseite des LBG OIS Center