Corona-Risiko: Handlungsempfehlungen nach Crowdsourcing-Projekt

Auf Basis einer Open-Innovation-Studie präsentiert das Ludwig Boltzmann Institute Digital Health and Patient Safety (LBI DHPS) Handlungsempfehlungen zu einem akzeptablen Restrisiko durch COVID-19.

Von Anfang März bis Ende April 2021 waren alle in Österreich lebenden Menschen bei der Initiative „Reden Sie mit! – Welche Corona Risiken und Schäden können wir gemeinsam als Gesellschaft akzeptieren?“ dazu eingeladen, ihre Erfahrungen und Meinungen zur Fragestellung einzubringen. In diesem ersten Schritt reichten Bürger*innen in einer Crowdsourcing-Kampagne über 500 Beiträge zu ihren persönlichen Erfahrungen mit Corona-Risiken und Schäden ein. Basierend auf den Ergebnissen des Crowdsourcings, diskutierten Ende Mai 2021 insgesamt 16 Expert*innen und Bürger*innen in einem interdisziplinären Rahmen zu den drei Themenfeldern „Schwere Folgeschäden“, „Gesellschaftliche Spaltung“ sowie „Empowerment und Commitment von Bürger*innen“.

Ziel des Workshops war die Definition von Handlungsempfehlungen für zukünftige, große gesellschaftliche Herausforderungen in den Bereichen. Die Schwerpunkte der Handlungsempfehlungen ergeben sich aus der jeweiligen Expertise der Workshop-Teilnehmenden. Es besteht – auch aufgrund der Größe und der Komplexität des Themas – nicht der Anspruch auf umfassende Vollständigkeit. Dazu Elisabeth Klager, Open Innovation in Science Manager am LBI DHPS: „Was über alle Themen hinweg als klare Handlungsempfehlung herausgekommen ist: Es braucht strukturierte Kommunikation, das Einbinden aller betroffenen Gruppen sowie vorausschauendes Denken, um eine bessere Planung und Vorbereitung zu ermöglichen. Diese Erkenntnisse wurden nun auch an die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger kommuniziert.“

Klare Kommunikation statt „Kampfrhetorik“

Bezüglich gesellschaftlicher Spaltungen, die durch die Krise hervorgegangen sind, konnten klare Handlungsempfehlungen entwickelt werden. Stetige und klare Kommunikation ist essenziell, um zwischen fachlichen und politischen Informationen und Entscheidungen differenzieren zu können. Sogenannte „Kampfrhetorik“ und „Ankündigungsmarathons“ erschweren die Aufnahme von sachlichen Argumenten. Außerdem entstehen dadurch Unsicherheiten, die durch transparente Entscheidungsprozesse und Perspektiven leicht vermieden werden können. Die Gesellschaft im Allgemeinen sollte mehr eingebunden werden. Sowohl im Krisenstab als auch bei Entscheidungsfindungen braucht es mehr Diversität. Auch Gerechtigkeit und Solidarität sind zwei wichtige Punkte. Gruppen sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es braucht ein Abwägen zwischen dem Schutz unterschiedlicher Gruppen, wie etwa Bewohner*innen von Altenheimen, und den Schäden, die durch Maßnahmen entstehen (können) wie Diskriminierung oder soziale Isolation.

Mehr Einbindung der Bevölkerung durch Patientenbeirat

Um Empowerment und Commitment der Bevölkerung zu steigern, müssen folgende Handlungen vollzogen werden: Es braucht Anreize und Motivationen für eine positivere Zukunft und den Weg aus der Pandemie. Für die Einbindung verschiedener Gesellschaftsgruppen können Tools wie ein Bürger*innenrat, Crowdsourcing und Methoden der direkten Demokratie genutzt werden. In Krisenzeiten müssen Entscheidungen, die von der Gesellschaft eher zögerlich angenommen werden, so gut wie möglich erklärt werden. Hier spielt die sprachliche Komponente eine genauso große Rolle wie die Aufarbeitung der Informationen. „Damit eine gute Kommunikationsbasis gegeben ist, muss auch das Vertrauen in die Politik gestärkt werden. Durch transparente Entscheidungen wird Glaubwürdigkeit erzeugt. Deshalb ist aus diesem Projekt die Idee eines österreichischen Patientenbeirates entstanden, um Gesundheitsthemen breit und auf einem hohen Niveau zu diskutieren“, ergänzt Anna Fassl, Leiterin der Geschäftsstelle Österreichische Plattform Patientensicherheit.

Patient Empowerment durch Kooperation

Der Prozess wurde von zahlreichen Expert*innen aus dem Gesundheitsbereich begleitet. Dazu betont Brigitte Ettl, ehemalige Ärztliche Direktorin Klinik Hietzing und Präsidentin der Österreichischen Plattform Patientensicherheit: „Damit die Gedanken und Ideen der Patientensicherheit und vor allem des Patient Empowerments auch tatsächlich umgesetzt werden, bedarf es einer stetigen Kommunikation und starker Kooperationen. Deshalb war für uns als Plattform klar, dass wir das Projekt des LBI DHPS unterstützen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich: Bei allem Fokus auf Covid-19 dürfen wir die Patientinnen und Patienten mit anderen Erkrankungen und auf Vorsorge nicht vergessen.“

Weitere Informationen zu “Reden Sie mit!”: https://coronarisiko.lbg.ac.at

Weiter Informationen zum Patientenbeirat: https://www.patientenbeirat.at