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20.08.2021 von Ludwig Boltzmann

O.P.E.N. – Jugendliche für Jugendliche

„Niemand versteht mich“, schreit die 14-jährige Alina und wirft die Tür hinter sich zu. Eigentlich hat sie ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern, auch ihr Freundeskreis ist groß. Trotzdem reicht das manchmal nicht. So wie bei Marcel, der die Schule gewechselt hat und plötzlich niemanden mehr zum Reden hat. O.P.E.N., das Pilotprojekt der Forschungsgruppe D.O.T. – Die offene Tür, will Jugendlichen einen virtuellen Raum geben, um sich mit anderen Jugendlichen austauschen zu können – anonym und geschützt.

Dazu sollen Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren von Fachpersonen zu sogenannten Peer-BegleiterInnen ausgebildet werden. Danach treffen sie in Chats und E-Mails auf Jugendliche, die ihre Probleme und Sorgen mit ihnen teilen. Sie hören zu, geben Ratschläge oder erzählen von ihren eigenen Erfahrungen, immer in regelmäßiger Supervision mit WissenschaftlerInnen der Forschungsgruppe und weiteren ExpertInnen. „Wir haben Jugendliche gefragt, welche Unterstützung sie sich wünschen und brauchen könnten“, erzählt Projektkoordinator Markus Böckle über die Entstehung des Pilotprojekts. In den Gesprächen habe sich schnell ein Bedarf an digitaler Beratung und anonymem Austausch abgezeichnet, so der Psychotherapeut und Biologe weiter. Gemeinsam mit den Jugendlichen entwickelten die ForscherInnen den Prototyp für eine Peer-to-Peer-Plattform, also ein digitales Tool, in dessen Rahmen Jugendliche von ausgebildeten Jugendlichen unterstützt werden. Hier können sie ihre Anfragen anonym stellen und werden innerhalb von drei Tagen an eine/n Peer-BegleiterIn vermittelt. Einschränkungen bei Themen gibt es nicht, nur eine Akutbetreuung würden sie nicht anbieten, sagt Böckle. Auch psychosoziale Hilfe können sie nicht leisten, dafür aber den betroffenen Jugendlichen zeigen, wohin sie sich wenden können.

O.P.E.N. steht für „Online Peer Encouragement Network“. Übergeordnetes Ziel des Projekts ist es, Jugendliche in Zeiten von Veränderungen und Schwierigkeiten zu begleiten. Passende Peer-BegleiterInnen sucht das Forschungsteam über soziale Medien und in Zusammenarbeit mit Ausbildungszentren für Sozialberufe der Caritas. Im Idealfall ist der Altersunterschied zwischen den interagierenden Jugendlichen nicht besonders groß, denn auch das sei ein Wunsch der befragten Jugendlichen gewesen. „Wegen der der Corona-Pandemie noch keine Peer-BegleiterInnen ausbilden“, bedauert Böckle. Denn diese wolle das Forschungsteam an den zwei vorgesehenen Ausbildungswochenenden unbedingt persönlich kennenlernen. Überhaupt spielt Qualitätsmanagement eine große Rolle. Sie wollen die Peer-BegleiterInnen nicht nur regelmäßig supervidieren, sondern auch die Umsetzung des Projekts laufend evaluieren, um Angebote weiterentwickeln zu können.

Im Moment testet eine kleine Gruppe Jugendlicher mit den ForscherInnen das Online-Tool, um zu ermitteln, wo es noch verbessert werden kann und ob es an den Bedürfnissen seiner NutzerInnen orientiert ist. Ab Herbst 2021 sollen die Ausbildungen der Peer-BegleiterInnen starten. Die Plattform selbst wird Anfang 2022 in Wien und Niederösterreich online gehen. Dann wird das interdisziplinäre Forschungsteam sehen, wie die Plattform von den Jugendlichen angenommen wird, welche Probleme die sie am häufigsten beschäftigen und welche Hilfsangebote sie brauchen.

Zur Webseite der Forschungsgruppe D.O.T.
a. O.P.E.N. steht für „Online Peer Encouragement Network“