22 Sep. 2026 von Ludwig Boltzmann

Lunge, Knochen und Gehirn: der diesjährige LBG Xchange richtete den Fokus auf die Klinische Forschung

Am 17. September 2026 begrüßten Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner und LBG-Präsidentin Freyja-Maria Smolle-Jüttner wieder zum LBG Xchange.

Der seit 2023 jährlich stattfindende LBG Xchange holt Forschung, Führung in der Wissenschaft und gesellschaftliche Verantwortung vor den Vorhang. Die Bundesministerin war bereits zum dritten Mal im Leopold Museum zu Gast und lobte den interdisziplinären Ansatz der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, die neben der eigenen Forschung in Medizin, den Life Sciences sowie den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften auch als Fördergeberin im Bereich klinische Forschung aktiv ist. Aktuell ist ein Call für eine neue Klinische Forschungsgruppe im Bereich Gendermedizin und Frauengesundheitsforschung geöffnet, die ab nächstem Jahr die bestehenden sechs Klinischen Forschungsgruppen ergänzen soll. Um das Bewusstsein für die Relevanz klinischer Forschung noch stärker in der öffentlichen Aufmerksamkeit zu verankern, wird demnächst auch eine eigene Kampagne zum Thema starten.

Präsidentin Smolle-Jüttner nahm in ihrer Begrüßung Bezug auf einen noch sehr frischen Erfolg: die LBG erhält im Rahmen einer Förderung des Fonds Zukunft Österreich 6,5 Millionen Euro für den Aufbau einer österreichweiten Plattform für klinische Forschung. Clinical Trials Austria wird eine neue Service-Infrastruktur in enger Zusammenarbeit mit den klinischen Studienzentren und relevanten Stakeholdern entwickeln, die klinische Studien in Österreich künftig effizienter, zugänglicher und attraktiver für Studiensponsoren machen soll.

Science Talk zu Klinischer Forschung

Einer der inhaltlichen Höhepunkte des Abends war der Science Talk mit Robab Breyer-Kohansal (wissenschaftliche Leiterin der LEAD-Studie am LBI für Lungengesundheit), Roland Kocijan (Forschungsgruppenleiter der Programmlinie Clinical Science am LBI für Osteologie) und Silvia Bonelli-Nauer (Wissenschaftliche Leiterin der LBG Klinischen Forschungsgruppe EPICONN an der Medizinischen Universität Wien). Moderatorin Kristina Schranz sprach mit ihnen über ihre aktuelle Arbeit:

  • Die Wiener Langzeitstudie LEAD (Lung – hEart – sociAl – boDy) beschäftigt sich mit der Erforschung der Lungengesundheit von über 15.000 Studienteilnehmer:innen aus Wien und Umgebung. Sie ist die umfangreichste Forschungsstudie zur Prävention und Gesundheitsförderung der Wiener Bevölkerung und startete bereits im Jahr 2012 am LBI für Lungengesundheit in Kooperation mit dem Wiener Gesundheitsverbund. Die Daten werden laufend ausgewertet und publiziert; zuletzt erhielt etwa eine Studie zum Rückgang des Zigarettenrauchens in Österreich und zum gleichzeitigen Vormarsch von Vapes breite mediale Aufmerksamkeit.
  • Die Programmlinie Clinical Science am LBI für Osteologie forscht zum Thema Osteoporose, das vor allem Frauen betrifft. Da es sich hier um eine chronische Erkrankung handelt, ist eine frühe Diagnose für die effektive Behandlung besonders wichtig. Das Institut hat daher unter https://www.frakturimgriff.at ein Pilotprojekt gestartet, um Patient:innen mit Knochenbrüchen besser über die Warnzeichen zu informieren. So sollen Osteoporose-bedingte Brüche schneller erkannt und weitere Brüche vermieden werden.
  • Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der es immer wieder zu Anfällen kommt. Entstehen diese Anfälle in bestimmten Bereichen des Gehirns, spricht man von einer fokalen Epilepsie. Die Erkrankung kann sich nicht nur auf die körperliche und seelische Gesundheit auswirken, sondern auch das soziale Leben einschränken und in manchen Fällen die Lebenserwartung verkürzen. Die im Rahmen der Klinischen Forschungsgruppe EPICONN (Towards EPIleptomics – a CONNectome-based perspective on epileptic networks, cognition and clinical outcome) gewonnenen Daten sollen helfen aussagekräftige Biomarker zu identifizieren und neue Behandlungsansätze zu entwickeln. In den darauffolgenden vier Jahren sollen diese Erkenntnisse an mehreren österreichischen Epilepsiezentren angewendet werden, um zu prüfen, welche davon sich im klinischen Alltag als besonders hilfreich erweisen.

Leadership Excellence Award in Research für Sandra Diller und Marina Grzinic-Mauhler

Wissenschaftliche Exzellenz braucht gute Führung: Führungskräfte in der Forschung tragen nicht nur Verantwortung für wissenschaftliche Ergebnisse, sondern auch für ihre Teams und die Entwicklung von Nachwuchswissenschafter:innen. Mit dem Leadership Excellence Award in Research zeichnet das LBG Career Center seit 2023 Persönlichkeiten aus, die ihre Führungsrolle auf herausragende Weise wahrnehmen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Wissenschaft leisten. Die Keynote des Abends kam von Hannah Schragmann, die zum Thema „Was One Health über gute Führung lehrt“ über die Vorzüge und Eigenheiten exzellenter Führung sprach, mit dem Fazit, dass diese nicht nur Ergebnisse erzeugt, sondern auch den Beziehungsraum schützt, in dem Exzellenz überhaupt möglich wird – und bleibt. Konkrete Beispiele dafür boten dann gleich die beiden diesjährigen Preisträgerinnen:

In der Kategorie Emerging Leaders ging der Leadership Excellence Award in Research 2026 an Prof. Dr. Sandra Diller, Associateprofessorin für Organisationspsychologie an der Privatuniversität Schloss Seeburg, Research Affiliate an der IOC Harvard Medical School sowie Coach und Trainerin für die LMU München.

In der Kategorie Experienced Leaders wurde Prof. Dr. phil. Marina Grzinic-Mauhler, Philosophin und Professorin an der Akademie der Bildenden Künste Wien sowie Forscherin am Institut für Philosophie am Wissenschafts- und Forschungszentrum der Slowenischen Akademie Wissenschaft und Kunst (ZRC SAZU) in Ljubljana ausgezeichnet.