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28 Feb 2022 von Ludwig Boltzmann

BIK-Expertise zum Krieg in der Ukraine

Der Krieg in der Ukraine weckt uralte Ängste „vor dem Osten“. Expertinnen und Experten am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung zeichnen in österreichischen Medien ein differenziertes Bild über die historischen Hintergründe.

Am Tag des russischen Angriffs gegen die Ukraine  sagte Prof. Stefan Karner, BIK-Gründer und Vorsitzender der Österreichisch-Russischen Historikerkommission, gegenüber ORF Steiermark: „Ab heute (Donnerstag, Anm.) wird die Landkarte Europas neu gezeichnet werden, da bin ich überzeugt davon. Die Ukraine wird in der einen oder anderen Form von Russland so angegriffen werden, dass sie vermutlich stärker an Russland herangeführt wird“. In der Kronenzeitung ergänzt der Russland- und Osteuropakenner: „Wir waren voller Hoffnung, dass eine derartige Entwicklung in diesem Raum nicht mehr möglich sein wird.“ Ebenso bedauert Karner, dass „alte Stereotype, die wir für überwunden glaubten“, nun wieder hochkommen und die guten Beziehungen, die von der regionalen Wirtschaft bis zur Wissenschaft mit Russland aufgebaut worden sind, „nun zu zerbrechen drohen“.

Genau hier knüpft BIK-Leiterin Prof. Barbara Stelzl-Marx, die europäische Zeitgeschichte mit Schwerpunkt Konflikt- und Migrationsforschung an der Uni Graz lehrt, in den Salzburger Nachrichten an und verweist auf die Gefahr, dass nun wieder unreflektiert alte Negativzuschreibungen und Projektionen über „den Osten“ übernommen werden. „Was bis heute nachwirkt,“ so zitiert Thomas Hödlmoser in den Salzburger Nachrichten Stelzl-Marx, „sind die Gräueltaten der sowjetischen Besatzer ab 1945, vor allem die Vergewaltigungen, Morde, Verschleppungen und Plünderungen. All das trug dazu bei, dass die Sowjets in Österreich eben nicht nur als Befreier vom Naziterror gesehen wurden, sondern auch als rachsüchtige Besatzer. Die NS-Propaganda über den ‚slawischen Untermenschen‘ und dann die tatsächlichen Verbrechen der Besatzer hätten nach 1945 die ‚positiven Erfahrungen‘ mit den Sowjetsoldaten überlagert […] Als ein Beispiel nennt Stelzl-Marx die Hilfslieferungen der Roten Armee an die hungernde Wiener Bevölkerung am 1. Mai 1945. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war dann geprägt vom Kalten Krieg – und dem Niederwalzen der antisowjetischen Aufstände in Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968, die noch stark in Erinnerung sind.“

Links:

ORF Steiermark
Kronenzeitung
Salzburger Nachrichten (nicht kostenfrei)

Webseite des LBI für Kriegsfolgenforschung
a. Österreichische Medien zeichnen ein differenziertes Bild über die historischen Hintergründe.